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Sicherheitstraining der Verkehrswacht macht ältere Verkehrsteilnehmer fit für den Straßenverkehr

Ein bisschen mulmig ist mir schon zumute, als ich morgens den Betriebshof der Stadtwerke ansteuere. Aber ich will’s jetzt wissen: Bin ich noch fit am Steuer – mit meinem Führerschein aus dem Jahre 1962? Die Verkehrswacht Passau hat zu einem "Fahrtraining für Senioren" eingeladen, und diese Chance darf ich nicht verpassen. Denn was ich neulich in der Innstraße erlebt habe, gibt mir schwer zu denken: Ich fahre mit flotten 30 Stundenkilometern die Uni entlang, da überholt mich ein rotes Cabrio mit einem nachsichtig grinsenden Sportsmann am Steuer, und der signalisiert mir: "Oma, nimm lieber den Rollator!"

Allein der Gedanke, mich eines Tages von meinem geliebten fahrbaren Untersatz verabschieden zu müssen, weil ich dem Straßenverkehr nicht mehr gewachsen bin, macht mich fix und fertig. So weit darf es nicht kommen! Und deshalb bin ich hier.

Geschäftsführer Ottmar Bauer begrüßt im Namen der Verkehrswacht die Senioren, die sich zu dieser "Stunde der Wahrheit" entschlossen haben. Er gratuliert uns zu dem Mut, uns selber und die eingefahrenen Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen.

Wie wichtig das ist, zeigt im theoretischen Teil des Unterrichts die Statistik mit schonungsloser Klarheit: "Mit etwa 40 fängt der Abbau beim Menschen an", erklären uns Thomas Fuchs, Ludwig Reitmaier und Jörg Witkowski, die Moderatoren des Fahrtrainings, "wir sehen und hören schlechter und reagieren langsamer". Insgesamt steige das Fehlverhalten in besonderen Verkehrssituationen ab diesem Alter an. Ich will das nicht glauben, aber die neuen Untersuchungen wissen es genau: Ein junger Fahrer braucht zum Beispiel eine Viertelsekunde, um vom Gas auf die Bremse zu steigen, ein alter braucht mindestens die doppelte Zeit. Trotzdem kommen die Autofahrer zwischen 65 und 75 Jahren in der Unfallstatistik besser weg als die 18- bis 24-Jährigen. Ab 75 aber steigt das Unfallrisiko um 45 Prozent.
Und was können wir tun, das Risiko in den Griff zu kriegen? Der Moderator hat einen Vorschlag: "Wenn wir unser Auto alle zwei Jahre zum TÜV bringen, könnten wir gleichzeitig einen Gesundheits-TÜV beim Hausarzt machen". In Frankreich ist der Gesundheitscheck ab 65 Pflicht, in der Schweiz ab 75, vergleichbar in anderen Ländern. Aber in Deutschland sind solche Sicherheitsregeln nicht in Sicht. "Zum Glück", meint unser Referent, "wer möchte es verantworten, den alten Menschen die letzte Mobilität zu nehmen?" Mit anderen Worten: Es ist Privatsache, fit zu bleiben, auch am Steuer. Und sich selbst richtig einzuschätzen. Das wollen wir heute lernen.
Der praktische Teil des Fahr-trainings findet im eigenen Auto statt, das ist beruhigend. Hier fühle ich mich sicher und zu Hause, kenne jeden Schalter. Bis der prüfende Blick des Fahrlehrers meine Sitzeinstellung ins Visier nimmt und einen Hebel betätigt, den ich noch nie gesehen habe. Plötzlich habe ich das Lenkrad besser in der Hand, und auch meine Sitzeinstellung wird korrigiert. Um eine Kleinigkeit nur, aber ich fühle mich entspannter als vorher. Und dann die Spiegel – eine minimale Drehung, und ich habe die Bordsteinkante ganz genau im Blick, kann nach dem zweiten Versuch fast perfekt rückwärts einparken! Allein dafür hätte sich das Fahrtraining schon gelohnt. Und schließlich komme ich bei einer "Gefahrenbremsung" dem raffinierten Antiblockiersystem meines braven Autos auf die Schliche, toll!
In der anschließenden Fahrstunde darf jeder Kursteilnehmer für eine ausgedehnte Stadtrundfahrt ans Steuer, und der Fahrlehrer baut in seinen Unterricht anschaulich und praxisnah viele wertvolle Tipps ein. "Abstand ist die beste Bremse", versichert Jörg seinen betagten Schülern und korrigiert die Meinung, dass man an einem Bus an der Haltestelle "so ungefähr mit 20" vorbeifahren darf: "Schrittgeschwindigkeit ist nicht 20, sondern 6 bis maximal 10 km/h. Und 30 sind nicht knappe 40". Da trifft er genau meinen Schwachpunkt: Jeden Tag ärgern mich die Trödler auf der Straße, die mit ihrer zögerlichen Fahrweise alle aufhalten und dafür sorgen, dass der Verkehr nicht fließen kann. Furchtbar! Aber Jörg sieht das anders. "Denkt daran, wie gefährlich es werden kann, wenn ihr ein bisschen zu schnell dran seid und nicht mehr schnell genug reagieren könnt. Das lohnt sich nicht".
Am Ende des prall gefüllten Vormittagsprogramms sind wir alle glücklich und zufrieden. Wir haben so viel erlebt und gelernt und es hat Spaß gemacht! Und das Beste an dem Fahrtraining: Wir haben die Sicherheit gewonnen, dass wir auch als Senioren noch mithalten können im Straßenverkehr, wenn wir mit allen Sinnen achtsam am Steuer sitzen, uns nicht überschätzen und uns nicht provozieren lassen. Auch wenn die schnellen Fahrer mit den Augen rollen und den Senioren raten: " Oma, nimm lieber den Rollator".
Für sie hat die Verkehrswacht eine Einladung: Sie bietet den Fahranfängern bis zum 25. Lebensjahr ein kostenloses Fahrtraining an, in Zusammenarbeit mit der Stadt Passau und dem Landratsamt. Und am liebsten hätte Ottmar Bauer die Jungen und die Alten zusammen in solchen lebenswichtigen Kursen.
Die nächsten Termine: "Fit im Auto" für Senioren am 15. Mai und 27. Juli. "Könner durch Er-fahrung" , ein Kurs für junge Führerscheininhaber am 11. Mai, 8. Juni und 6. Juli. Anfragen und Anmeldung bei der Verkehrswacht, Dr. Hans Kapfinger Str. 20, 94032 Passau, Telefonnummer 0851 73513. e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Heidi Koenen

stunde der wahrheit

Verkehrsmoderator und Fahrlehrer Jörg Witkowski prüft vor dem Fahrtraining Sitzeinstellung, Lenkard und Spiegel im Auto (Foto: Koenen)

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Telefon: 0851 - 73513, Telefax: 0851 - 7561596

1. Vorstand: Hans-Georg Korter, Richter a.D.
Schrift- und Geschäftsführer: Ottmar Bauer

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Lieber Verkehrsteilnehmer,

die Verkehrswacht Stadt- und Landkreis Passau ist ein gemeinnütziger Verein, dessen Ziel es ist, in freiwilliger Mitarbeit aller Mitglieder und in eigener Initiative die Verkehrssicherheit zu fördern und Verkehrserziehung und  Verkehrsaufklärung zu betreiben.

Für weitere Informationen zu unseren Aktionen und Projekten steht Ihnen die Verkehrswacht Stadt und Land Passau jederzeit gerne zur Verfügung.